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pH-Messung im Substrat: Warum H₂O, CaCl₂ und Sonde drei verschiedene Werte zeigen

Drei Messmethoden heißen alle pH und liefern trotzdem unterschiedliche Werte für dasselbe Substrat. Wer die Unterschiede kennt, redet mit Lieferant und Labor auf einer gemeinsamen Faktenbasis.

Lampert & Schulte 20. Mai 2026 6 Min Lesezeit

Für Betriebsleiter und Kulturleiter, die pH-Werte selbst messen

Drei pH-Werte für dasselbe Substrat, und alle drei stimmen. Klingt nach Widerspruch, führt aber im Substratgeschäft am häufigsten zu Missverständnissen: ein Gärtner misst mit der Sonde, das Analysenblatt vom Lieferanten zeigt den CaCl₂-Wert, und die EN-Norm rechnet nochmal anders.

Wer die drei Methoden auseinanderhalten kann, redet sachlich über die Zahlen. Wer sie nicht auseinanderhalten kann, redet schnell aneinander vorbei.

Die drei Methoden im Überblick

MethodeAuszugTyp. Wert bei gleichem SubstratWer misst so?
EN 13037 (H₂O)1:5 v/v destilliertes Wasser6,0RHP, NL-Labore, EU-Konformität, RAL-GZ 250 (formal)
VDLUFA (CaCl₂)1:5 v/v 0,01 mol/l CaCl₂5,5Deutsche LUFA-Labore, Düngeberatung, deutsche Produzenten
Sonde in situkeine — direkt ins feuchte Substrat5,2 – 5,8 (variabel)Gärtnereien mit Step-Systems, Hanna, Bluelab Combi-Sonden

Drei Methoden, drei Werte, alle korrekt. Der Unterschied liegt nicht in der Genauigkeit, sondern darin, was eigentlich gemessen wird.

Warum die Werte auseinanderlaufen

H₂O vs. CaCl₂: der Salzeffekt

Die CaCl₂-Lösung stellt gezielt Ca²⁺-Ionen bereit, die H⁺ und Al³⁺ von den Substrat-Austauschern verdrängen. Beim H₂O-Auszug passiert dasselbe, aber nur wenn das Substrat bereits eigene Salze (Dünger) enthält.

In der Konsequenz:

  • Ungedüngtes Substrat: H₂O-Wert liegt 0,5 – 0,8 Einheiten höher als CaCl₂
  • Stark gedüngtes Substrat: H₂O- und CaCl₂-Wert nähern sich an, können sogar gleich sein

Sonde: die Porenlösung selbst

Die Sonde misst weder Auszug noch Verdünnung. Sie misst die aktuelle Bodenlösung bei der aktuellen Feuchte. Weil die Porenlösung ionenreich ist (Dünger plus Calcium aus dem Gießwasser), verhält sie sich wie ein CaCl₂-Auszug. Sondenwerte liegen meist näher an CaCl₂ als an H₂O.

Schwankungsbreite pro Methode

MethodeSchwankung innerhalb einer ChargeEinflussfaktoren
EN 13037 (H₂O)±0,2 – 0,4 (bei stark gedüngt bis ±0,5)EC-Zustand, Düngerfrische
VDLUFA (CaCl₂)±0,1 – 0,2Sehr stabil — die Standardlösung überdeckt Salzschwankungen
Sonde in situ±0,3 – 0,8Feuchte, Einstichtiefe, Kalibrierung, Salzkruste, Temperatur

Die Sonde liefert die größte Streuung. Das ist kein Mangel der Messtechnik — die Sonde misst eben das, was tatsächlich im Topf vorgeht, inklusive lokaler Salzkrusten, ungleichmäßiger Feuchte und Wurzelfilz.

Ein typischer Fall aus der Praxis

Ein Gärtner bestellt „pH 5,5”. Der Lieferant stellt auf pH 5,5 (CaCl₂) ein und druckt das Analysenblatt mit pH (H₂O) 6,0 — beides EN-konform.

Was im Betrieb passiert:

ZeitpunktZustandpH (H₂O)pH (CaCl₂)Sonde
LieferungEC 0,46,05,55,4
Nach 2 Wochen + DüngungEC 1,55,65,45,0
Nach Aufdüngung (Flüssig)EC 2,25,25,34,7

Der Gärtner sticht mit der Sonde in den frisch gedüngten Topf, liest 4,7 und macht sich Sorgen: „Das Substrat ist viel zu sauer!”

Die Realität: Chemisch hat sich am Säurestatus des Substrats nichts geändert. Der CaCl₂-Wert ist stabil bei 5,3 – 5,5. Die Sonde reagiert auf Salzgehalt, Feuchte und Einstichposition. Eine Laborprobe an die LUFA liefert 5,4 zurück — alles normal.

Sondenmessung — die häufigsten Fehlerquellen

Sieben Punkte, die wir sehen, wenn Sonden- und Laborwert auseinandergehen:

  1. Feuchte zu trocken → Luftkontakt, unzuverlässige Werte
  2. Feuchte zu nass → Verdünnung, Werte wandern nach oben
  3. Einstichtiefe → Düngerschicht oben, Versalzung unten, Wurzelfilz dazwischen
  4. Kalibrierung → die wenigsten Gärtner kalibrieren wöchentlich, Elektroden driften
  5. Salzkruste bei EC > 2,0 → Sonde zeigt 0,3 – 0,5 zu niedrig
  6. Temperatur → nicht alle Geräte kompensieren automatisch
  7. Alte Referenzelektrode → Diffusionspotenzial verfälscht den Messwert

Keine dieser Fehlerquellen liegt am Substrat. Alle liegen an der Messung.

Drei Sätze, die das Gespräch klären

Wenn Sonden- und Analysenwert nicht zusammenpassen: drei Sätze, die alle Beteiligten auf eine gemeinsame Faktenbasis bringen.

  1. „Die Sondenmessung ist ein Trendwerkzeug, keine Absolutreferenz.” Sie ist gut, um Veränderungen über die Zeit zu beobachten — nicht, um einen einzelnen Wert festzunageln.
  2. „Lassen Sie uns die Labormethode festhalten.” CaCl₂ oder H₂O — eine gemeinsame Methode muss feststehen, bevor man Werte vergleicht.
  3. „Welcher EC liegt vor?” Ohne EC ist jede pH-Diskussion sinnlos. Der EC-Wert erklärt, warum die Sonde liefert, was sie liefert.

Umrechnungs-Faustformeln (nur Näherung!)

  • pH(CaCl₂) ≈ pH(H₂O) − 0,5 (ungedüngt bis schwach gedüngt)
  • pH(Sonde) ≈ pH(CaCl₂) ± 0,3 (bei korrekt kalibrierter Sonde, feuchtem Substrat)
  • Bei EC > 1,5: Unterschiede werden kleiner, können sogar kippen

Exakt sind diese Werte nie. Eine Umrechnung per Formel ist immer nur eine Näherung. Wenn es wirklich drauf ankommt, zählt nur die Laborprobe mit definierter Methode.

Deutsche Praxis vs. EN-Norm

  • Deutsche Lieferanten (BVB, Klasmann, Floragard, Stender) liefern Analysen standardmäßig in CaCl₂, weil Düngeberatung, LUFA-Tabellen und Gärtner-Erwartung darauf kalibriert sind.
  • RHP / niederländischer Markt misst strikt H₂O nach EN 13037.
  • RAL-GZ 250 verlangt formal EN 13037, akzeptiert CaCl₂ als Zusatzangabe.
  • Gelebter Kompromiss: Analysenblätter deutscher Produzenten zeigen oft beide Werte. H₂O für die Norm-Konformität, CaCl₂ für die Praxis.

Praxis-Tipp: Prüfen Sie auf jedem Analysenblatt, welche Methode angegeben ist. Steht nur ein Wert da, fordern Sie beim Lieferanten den Parallelwert an. Kostet nichts, läuft am selben Auszug mit.


Wenn auf Ihrem nächsten Analysenblatt zwei verschiedene Werte für dasselbe Substrat stehen oder die Sonde etwas anderes zeigt als das Labor: Melden Sie sich, wir gehen die drei Methoden mit Ihnen durch und ordnen ein, welcher Wert was aussagt. Meistens klärt sich die Frage in fünf Minuten am Telefon.

Lampert & Schulte · +49 2865 43 99 643 · info@lampert-schulte.de

Quellen

  • DIN EN 13037 — Bodenverbesserungsmittel und Kultursubstrate: Bestimmung des pH-Werts (Wasserauszug 1:5)
  • VDLUFA-Methodenbuch Band I, A 5.1.1 — pH-Wert-Bestimmung im CaCl₂-Auszug
  • RAL-GZ 250 — Substrate für den Pflanzenbau (Gütesicherung, Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen)

Häufige Fragen

Warum zeigen H₂O-Auszug, CaCl₂-Auszug und Sonde verschiedene pH-Werte?
Die drei Methoden messen Verschiedenes: Der H₂O-Auszug (EN 13037) liegt bei ungedüngtem Substrat 0,5–0,8 Einheiten über dem CaCl₂-Wert (VDLUFA), weil die CaCl₂-Lösung gezielt H⁺-Ionen von den Austauschern verdrängt. Die Sonde misst die aktuelle Porenlösung im Topf. Alle drei Werte sind korrekt — sie sind nur nicht direkt vergleichbar.
Welche pH-Methode ist maßgeblich, wenn zwei Werte auseinandergehen?
Die Methode, auf die man sich gemeinsam festlegt. Deutsche LUFA-Labore und Produzenten arbeiten mit CaCl₂ (VDLUFA), RHP und EU-Konformität mit H₂O (EN 13037). Bevor man zwei Werte vergleicht, sollte klar sein, welche Methode gilt — und der EC-Wert gehört dazu, denn ohne EC sagt der pH-Wert wenig.
Wie zuverlässig ist die pH-Sondenmessung im Topf?
Als Trendwerkzeug gut, als Absolutreferenz ungeeignet. Die Streuung liegt bei ±0,3–0,8 Einheiten: Feuchte, Einstichtiefe, Kalibrierung und Salzkrusten gehen direkt in den Messwert ein — bei EC über 2,0 zeigt die Sonde 0,3–0,5 Einheiten zu niedrig.

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